www.glasheimat.bayern
GLASHEIMAT
  • Arche 2

    Arche II

  • Ausflug

    Ausflug

  • Schwesterherz

    Schwesterherz

  • Meerblüte

    Meerblüte

  • Tiefe

    Die Tiefe

Glasheimat Bayern e.V.

Mit Schwung und Zuwachs in die Zukunft

Der Kunstverein Glasheimat Bayern e. V. ist ein Zusammenschluss professionell arbeitender Glaskünstler mit Geburtsort oder Wohnsitz in Bayern. Gemeinsames Ziel für die Zukunft ist die Veranstaltung und die Beteiligung an Kunstausstellungen im In- und Ausland. Die Vereinsmitglieder möchten so neue Zielgruppen erreichen und die zeitgenössische, bayerische Glaskunst in ihrer Vielfalt und Ausdruckstärke in den Fokus rücken.

Am 17. Oktober 2015 fand im Glasmuseums Frauenau die erste Mitgliederversammlung des Kunstvereins Glasheimat Bayern e. V. statt, der vor einem Jahr von neun Künstlern und Glasinteressierten gegründet wurde. Inzwischen hat der Verein 27 Mitglieder und möchte weiter wachsen. Mit neuem Vorstand und Beirat geht die Glasheimat in das zweite Jahr ihres Bestehens. Die gewünschte bayernweite Ausrichtung des Vereins kam durch die Wahl der nahezu vollständig erschienenen Mitglieder zum Ausdruck.

1. Vorsitzender: Hans Nein, Hemhofen/Mfr.
2. Vorsitzende: Ursula-Maren Fitz, Waakirchen/Obb.,
3. Vorsitzende und Kassier: Alexandra Geyermann, Zwiesel/Ndb.,
Schriftführerin: Iris Haschek, Regen/Ndb.
Beiräte: Silvia Lobenhofer-Albrecht, Sabine Nein, Alkie Osterland, Patrick Roth und Stefan Stangl
Kassenprüfer: Anja Listl und Barbara Felbinger

Für die kommenden Jahre bereitet der Verein mehrere Ausstellungen vor und freut sich auf neue Mitglieder. Voraussetzung zum Beitritt eines professionell arbeitenden Glaskünstlers als ordentliches Mitglied ist ein bayerischer Geburtsort und/oder Wohn.- und Arbeitsort in Bayern. Fördermitglieder unterliegen keiner Beschränkung.

Der neue Vorstand und Beirat der Glasheimat Bayern e. V. von links nach rechts: Iris Haschek, Alexandra Geyermann, Patrick Roth, Hans Nein, Ursula-Maren Fitz, Sabine Nein, Alkie Osterland und Silvia Lobenhofer-Albrecht. Nicht im Bild Stefan Stangl.

Die virtuelle Heimat zeitgenössischer Glaskunst

Seit dem Mittelalter waren waldreiche Regionen die traditionellen Siedlungsgebiete für Glasmacher und später auch für die Glasveredler. Die bekannteste Glasregion in Bayern ist sicher der Bayerische Wald. Glasmanufakturen gab es jedoch auch im Spessart, im Fichtelgebirge und, verursacht durch den 30-jährigen Krieg, im Allgäu, im nun bayerischen Schwaben. Die Landsknechte plünderten alle Metallgegenstände in den Haushalten, um daraus Waffen und Munition herzustellen. Die Haushaltswaren wurden durch Glas ersetzt. Die Gründe, sich mit Glas zu befassen, sind auch in der Gegenwart manchmal kurios.

Heute sind Glaskünstler nicht mehr wegen der Rohstoffe, die sie verarbeiten an bestimmte Regionen gebunden. Durch die Ausbildung an der Glasfachschule in Zwiesel und die zahlreichen Einrichtungen, zum Beispiel Glasmuseum und Internationale Sommerakademie Bild-Werk in Frauenau, um nur einige zu nennen, nimmt die Dichte an Glasschaffenden nach Osten in Bayern zu. Dieses Internetportal soll die Glasinteressierten aber auf alle Künstlerinnen und Künstler aufmerksam machen. Wir freuen uns, wenn Sie zuerst auf dieser Seite und später vielleicht durch unsere Ausstellungen auf Entdeckungsreisen gehen.


Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Glasfreunde,

lassen sie mich den Ausstellungstitel „Glasheimat Niederbayern“ etwas weiträumiger fassen und ein wenig auf die Geschichte, die Herkunft der Region eingehen. Nicht historisch aufgearbeitet, schon gar nicht wissenschaftlich beleuchtet, sondern einfach nur ein paar Schlaglichter. Stellen wir uns einmal vor, wie der Bayerische Wald ausgesehen haben könnte, als Kaiser Karl der IV, Mitte des 13. Jahrhunderts verfügte, die ersten Pfade und Wege für die Säumer durch die ursprüngliche Wildnis, zu bauen. Diese Pfade dürften im wahrsten Sinn des Wortes, die Wegbereiter für die ersten Waldglashütten gewesen sein.

Einleitung der Laudation von Hans Wudy, Leiter der Glasfachschule Zwiesel.



Das einzige was es im Überfluss gab, war Wald. Nutzloses, wertloses Holz für das es mangels Transportmöglichkeit keine Verwendung gab. Es sei denn, man verwertet es vor Ort. Und es gab Quarz. Zwei Rohstoffe, die von großer Bedeutung für die Entwicklung der Region werden sollten.

Neben kleinen, einfachen Glasöfen in der Anfangszeit entstanden im 15. und 16. Jahrhundert zahlreiche Glashütten in unserem Mittelgebirge, die auch zu Ortsgründungen führten. Viele Namen zeugen noch heute davon. Und es gab Orte, die mit der Schließung der Hütten auch wieder komplett verschwunden sind. Krankheit, Überschuldung und Verkauf bzw. Weitergabe der Erbrechte führten zu zahlreichen Besitzerwechseln und vielen –Aufs und Abs in der Entwicklung. Das Glas hat über Jahrhunderte die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung unserer Region geprägt, übrigens viel stärker als der Tourismus. Immer wenn die Glasproduktion still stand, litten die Menschen große Not.

Bedeutende Unternehmerfamilien bauten ihr Glasimperium aus und konnten riesige Ländereien zur Holzgewinnung nutzen. Auf den ersten Blick etwas widersinnig, aber sie haben das Holz veredelt indem sie es verbrannten.

Verbesserte Technik wie die Holzvergasung, bessere Wegenetze, die die Einfuhr von Rohstoffen und den Abtransport der Waren erleichterten, schränkten nicht nur den Raubbau im Forst ein, sondern verbesserten auch die Glasqualität deutlich. Wurden in den ersten Glashütten eher minderwertige Hohl- und Flachgläser produziert, entwickelte sich der Bayerische Wald zu einer Qualitätsmarke – nicht zuletzt weil die Gläser der Region in den Fürsten- und Zarenhäusern zu finden waren.

Neue technische Entwicklungen, bessere Transportwege und vor allem der Bau der Eisenbahn veränderten die Glasindustrie zum Ende des 18.Jahrhunderts weiter und machten sie unabhängig von heimischen Rohstoffen wie der Pottasche, deren Gewinnung etwa dreimal soviel Holz verschlang wie die Beheizung der Öfen selbst. Was blieb waren die arbeitsamen Menschen mit ihrem Wissen und Können rund ums Glas. Um fachlichen Nachwuchs zu genieren und auf Dauer zu sichern wurde 1904 die erste deutsche Glasfachschule in Zwiesel gegründet. Die zwei Weltkriege führten jeweils zu massiven Einbrüchen der regionalen Glaswirtschaft.

Nach dem 2. Weltkrieg stieg der Bedarf an Gläsern rasch an und führte zu einem enormen Glasbedarf und damit zu schnellem Wachstum der Glashütten. War die Herstellung und Veredelung bis dahin weitgehend in einer Hand entstanden nun kleine Werkstätten ausschließlich für die Veredelung. Wesentlich dafür verantwortlich zeichneten Heimatvertriebene aus dem Böhmischen. Sie wurden aber von den angestammten Glashütten als Konkurrenz gesehen und häufig nicht mit Rohglas beliefert. Diese Situation führte nicht zuletzt zum Bau weiterer kleinerer Glasöfen.

Eine völlig neue Situation entstand mit der Einführung der maschinellen Kelchglasproduktion Anfang der 60er Jahre und kurze Zeit später mit den Schleifautomaten. Adalbert Pongratz, Redakteur der PNP, hat mir einmal erzählt, wie er in Zwiesel mit dem Fahrrad am Bahnhof vorbei fuhr und einen mit Planen abgedeckten Waggon stehen sah. Seiner Neugier geschuldet, wusste am nächsten Tag die ganze Region von dem eisernen Ungetüm, bevor dieses, die im Volksmund immer noch Taschahütte genannte Glashütte von Schott Zwiesel erreichte. Die Nachricht erzeugte große Angst, auch wenn man noch keine konkrete Vorstellung hatte, was da anrollte. Die Auswirkungen in nackten Zahlen: Eine Kelchwerkstatt mit 6 Mann hat bis dahin ca. 800 Kelche pro Tag gefertigt, der eiserne Mann produziert 10-12 Tausend Kelche in 8 Stunden – im Dreischichtbetrieb - 365 Tage im Jahr. Wenn ich mich an meinen ersten Ferienjob recht entsinne, standen allein bei Schott Mitte der 70er Jahre acht dieser Fertigungsstraßen. Die maschinelle Fertigung erforderte viele technische Veränderungen, die kontinuierliche Schmelze sei hier beispielhaft genannt. Viele Glasmacher wurden zu Maschinenführern und fanden sich im ungewohnten und unbeliebten Schichtbetrieb wieder. Der große Bedarf, vor allem an Trinkgläsern wäre aber von Hand auch nicht mehr zu decken gewesen.

Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Maschinenglas wurde sehr schnell über den Preis bereinigt und führte in der Folgezeit zu einem kontinuierlichen Abbau der Handarbeit. und damit der Arbeitsplätze in den Manufakturen. Trotzdem waren Mitte der 70er Jahren im Bayerischen Wald weit mehr als 4000 Menschen in Lohn und Brot in den Glashütten – viele Zulieferfirmen nicht eingerechnet.

Mit dieser Industrialisierung ging auch eine gewisse Uniformierung einher, die den genetischen Fingerabdruck der Hütten verwischte. Die hohen Investitionen erforderten große Stückzahlen um wirtschaftlich produzieren zu können. Designer waren gefordert, für den internationalen Markt universelle und funktionale Gläser zu entwickeln.

Zeitgleich wurde aber auch eine neue Seite im gläsernen Geschichtsbuch der Region aufgeschlagen. Glaskünstler begannen Objekte zu fertigen ohne einen funktionalen bzw. ohne Gebrauchsnutzen. Die pure Ästhetik stand im Vordergrund oder es wurden durchaus auch gesellschaftskritische Ansätze über diese Objekte transportiert. Nicht mehr „Form follows Funktion“ sondern die Emotionalität der Schaffenden formte ihre Objekte.

Erst waren es einige Wenige, zu denen sich in den 90er Jahren junge Glasgestalter dazugesellten, die sowohl für die Industrie entwarfen, aber vor allem mit freien künstlerischen Arbeiten in den Galerien sichtbar wurden. Sie gaben der Glasregion Niederbayern neue Impulse und teilweise auch ein neues Gesicht. Die verlorenen Arbeitsplätze konnten sie natürlich nicht zurückholen.

Was die heimische Glaswirtschaft in den letzen 30 Jahren weiter massiv beeinflusst hat, war die Globalisierung. Sie hat nicht nur die großen Hersteller gezwungen, sich international, ja weltweit aufzustellen, sondern auch die kleinen Manufakturen und sogar die Einzelkämpfer dazu gebracht, ihre Fühler weit über die nationalen Grenzen hinaus auszustrecken. Die maschinell hergestellten Produkte wurden vergleichbar und man sah sich in Konkurrenz zu Herstellern, deren Lohnkosten in der Kalkulation vernachlässigbar waren. In der Handarbeit wurde die Relation noch extremer, schlugen doch die Lohnkosten in der Kelchfertigung mit mehr als 50% zu Buche. Zudem haben Werteverschiebungen in der Gesellschaft viele andere Dinge wichtiger werden lassen als den Wunsch, wertvolle Gläser zu besitzen - und zu gebrauchen. Ein Gegenstemmen war nur mit Kreativität, Individualität, und hoher Qualität möglich.

Der touristische Aufstieg der Region hat sicher einen Beitrag zum Erhalt der Glasheimat Niederbayern geleistet, aber durch den weltweiten Zukauf auch eine gewisse Vergleichbarkeit, Beliebigkeit und einen starken Preisverfall zur Folge. Die Glasregion hat massiv an Profilschärfe eingebüßt.

Wie sieht die Glasheimat Niederbayern heute aus? Nun sie besteht aus wenigen Global-Playern, die aufgrund ihrer hohen Qualitätsstandards, ihres hervorragenden Designs und der technischen Marktführerschaft sich im Weltmarkt behaupten. Die ehemals großen Manufakturen sind zu kleinen Werkstätten geschrumpft. Ich sage bewusst nicht gesundgeschrumpft, denn es ist schwieriger denn je, händisch zu produzieren und diese Produkte zu den entsprechenden Preisen abzusetzen. Und es sind die Einzelkämpfer und Werkstattkooperationen die mit ihren individuellen meist zweckfreien Arbeiten der Glasregion Farbe geben. Sie sind es, die heute ganz wesentlich zum aktuellen Gesicht und Profil er Glasregion beitragen. Und es ist gut, dass sie sich zu dieser Ausstellung zusammengefunden haben. Ich werde nicht auf die einzelnen Glasschaffenden der Ausstellung eingehen. Sie sollten sich ihr eigenes Bild von den präsentierten Arbeiten machen. Sie für sich ganz persönlich werten und interpretieren oder noch besser mit den Ausstellern das Gespräch suchen. Die Künstler zeigen Arbeiten von großer Bandbreite, Vielfalt und Meisterschaft und sie brauchen den internationalen Vergleich keineswegs zu scheuen.

Als ich von der Ausstellung in Immenhausen hörte, fehlte mir auf dem ersten Blick die Glasfachschule in der Liste. Nicht weil wir uns besonders wichtig machen möchten, sondern weil es die Glasheimat Niederbayern ohne diese Schule so heute nicht gäbe. Auch nicht weil die Schule selbst gestalterisch und handwerklich anspruchsvolle Produkte herstellt, sondern weil vor allem die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zur Farbigkeit und Vielgestaltigkeit der Glasheimat Niederbayern beitragen. Nutzen sie den jährlichen Tag der offenen Tür um sich davon zu überzeugen. Beim zweiten Blick – auf die Namen der Aussteller – habe ich gesehen, dass sich fast alle Aussteller – Ausnahmen mögen auch hier die Regel bestätigen - ihre gläserne Infektion an der Glasfachschule geholt haben und in ihren Genen tragen.

Bei der Vorbereitung habe ich mir die Frage gestellt, ob Niederbayern auch in Zukunft eine attraktive Heimat für Glasschaffende sein kann und wird. Von außen ich werde oft gefragt, was wir als spezialisierte Schule tun um das Glas wieder attraktiver zu machen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, Glas ist und bleibt attraktiv. Unser Problem ist, dass uns die Wertschätzung für das Handwerk in der Gesellschaft ganz allgemein abhanden gekommen ist, das Glas als künstlerischer Werkstoff wenig Akzeptanz findet und als Imagebildner nur bedingt geeignet ist. Ob Niederbayern weiterhin Glasheimat sein wird, hängt nicht nur von den Schaffenden ab, sondern vielmehr von unser aller Bereitschaft, diese Arbeiten zu besitzen zu wollen. Aber machen wir uns nichts vor. Die handwerkliche Ausbildung ist rückläufig, die Glasabteilungen an den Kunstakademien führen ein Schattendasein. Die Pioniere unter den Ausstellern der „Glasheimat Niederbayern“ sind nicht mehr jung, die jungen Wilden der 70er mittlerweile im gesetzten Alter und der Nachwuchs zu spärlich vertreten. Wir müssen auf diese, die Region prägende Kultur achten, sie selbst weiter pflegen und selbstbewusster nach außen tragen. Und den Jungen eine Chance geben. Nicht nur auf die Arrivierten setzten, sondern auch die Jungen stärker einbeziehen und ihnen eine Bühne bauen. Der Wettbewerb „Zwieseler Kölbl“ ist ein guter Ansatz. Dann hat Glas nicht nur eine bedeutende Vergangenheit, sondern auch eine gute Zukunft – auch und besonders hier in Niederbayern.

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

H. Wudy
21.12.2013